Europäische Orte


Sollten Sie einen Besuch der europäischen Institutionen in Straßburg oder Brüssel oder einfach einen Ausflug ohne politischen Schwerpunkt planen, möchte ich Ihnen ein paar Hinweise auf "europäische Orte" im weitesten Sinne geben.

Diese Liste der „Europaorte“, die ich Ihnen an die Hand gebe, ist freilich nicht vollständig und Hinweise auf weitere „Europaorte“ zwischen Stuttgart, Straßburg und Brüssel nehmen ich und mein Büro dankbar entgegen.
 

Straßburg:
Straßburg ist nicht nur der Sitz des Europäischen Parlaments und wegen der Sehenswürdigkeiten seiner Altstadt ein lohnenswertes Ausflugsziel, sondern ist vor allem eine Stadt, die mindestens seit der Reformationszeit mit jeder Pore europäische Geschichte atmet.

Wenig bekannt ist, dass sich die Lebenswege so bedeutender EuropäerInnen wie Albert Schweizer, Theodor Heuss und Elly Heuss Knapp in dieser Stadt kreuzen.
 
 
Albert Schweizer wurde im Jahr 1875 in elsässischen Kaysersberg nahe Colmar geboren. An der Universität Straßburg studierte er Theologie und Philosophie. In Paris studierte er daneben auch Orgel. Er ist ein anerkannter Organist und Interpret der Werke von Bach sowie Theoretiker des Orgelbaus. Nach seinen Vorstellungen wurden im Elsass, unter anderem auch in der Straßburger Thomaskirche (11, Rue Martin Luther King) eine Silbermann-Orgel nach seinen Vorstellungen installiert.
 
Bis 1902 hatte er sich in Philosophie promoviert und in evangelischer Theologie sowohl promoviert als auch habilitiert und wurde damit Dozent an der theologischen Fakultät. Daneben hatte er eine Vikarstelle in der Kirche St Nikolai (13 Quai Saint-Nicolas).
Neben dem Verfassen einer Biographie über Johann Sebastian Bach, die im Jahr 1908 erschienen ist, nahm er von 1905 bis 1913 das Studium der Medizin auf, das er ebenfalls mit der Promotion abschloss.
 
Bevor er 1913 nach Lambaréné im heutigen Gabun ging und dort das Urwaldhospital gründete, traute er im Jahr 1908 den späteren deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss und die gebürtige Straßburgerin und spätere Gründerin des Müttergenesungswerks Elly Knapp in der Wilhelmer Kirche (heute: l’église Saint-Guillaume, 1 Rue Calvin).
In dieser Kirche befindet sich bis heute die älteste an Ort und Stelle gebliebene Silbermann-Orgel.
 
1953 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
 
Bei einem Straßburgbesuch im Dezember sollten Sie natürlich keinesfalls einen Besuch des „Christkindelsmärik“, des Straßburger Weihnachtsmarktes, vergessen. Er ist der älteste Frankreichs und lohnt einen Besuch!
 
Kaysersberg (bei Colmar):
 
Hier finden Sie Informationen über das Albert Schweitzer Museum in seinem Geburtsort Kaysersberg.
 

Königsfeld im Schwarzwald:
 
Hier befindet sich das Haus der Familie Schweitzer, das die Familie vor allem während der Aufenthalte Albert Schweitzers in Lambaréné bewohnte. Heute ist es ein Museum:
www.albertschweitzer-haus.de


Brackenheim:

Theodor Heuss wurde im Jahr 1885 in Brackenheim bei Heilbronn geboren. Im Jahr 1905 promovierte er sich mit einer Arbeit über den Weinbau in Heilbronn. Er war Journalist und arbeitete eng mit Friedrich Naumann zusammen.
Im Jahr 1949 wurde er zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Durch  seine Amtsführung prägte er das neue Amt des Bundespräsidenten der jungen Bonner Republik nachhaltig.
 
Theodor Heuss verstarb im Jahr 1963 und liegt auf dem Stuttgarter Waldfriedhof begraben.
 
Elly Heuss-Knapp, geboren 1881 in Straßburg, war eine Vorkämpferin für die Frauenrechte und engagierte sich in jungen Jahren – unter anderem inspiriert von Friedrich Naumann – schon intensiv für die Armenpflege in Straßburg.
Nachdem ihr Mann, Theodor Heuss, im Dritten Reich mit einem Publikationsverbot belegt war und nur mühsam die Familie ernähren konnte, arbeitete Elly Heuss-Knapp für verschiedene Unternehmen und erfand damals das sogenannte „akustische Warenzeichen“, heute besser bekannt als Werbejingle.
 
 
Lesenswert ist ihre Autobiographie Ausblick vom Münsterturm, die 1934 erstmals erschienen ist und einen hervorragenden Einblick in die damalige Zeit (vor allem in die Zeit als Straßburg deutsch war) und die dramatischen Umbrüche während und nach dem Ersten Weltkrieg gibt.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zudem zur Vizepräsidentin der 1949 in Wiesbaden gegründeten Europäischen Bewegung Deutschland gewählt.
 
Sie verstarb im Jahr 1952 und liegt wie ihr Mann auf dem Stuttgarter Waldfriedhof begraben.
Hier finden Sie Informationen zum Theodor Heuss Museum in Brackenheim (www.theodor-heuss-museum.de) und auf dem Stuttgarter Killesberg (www.stiftung-heuss-haus.de/html/theoheusshaus.html)
 
 
Colombey-les-deux-Eglises:
 

Der spätere französische Präsident Charles de Gaulle hat sich im Jahr 1934 mit seiner Familie im Dorf Colombey-les-deux-Eglises niedergelassen.
Nach seinem Rücktritt als französischer Präsident im Jahr 1969 zog er sich hierher zurück und verstarb ein Jahr später ebenda.
 
Als Denkmal für den General errichtete man 1972 ein großes Lothringer Kreuz aus Granit.
 
Hier befindet sich auch die Charles de Gaulle Gedenkstätte: www.memorial-charlesdegaulle.fr/de/musee-presentation.html
 

Rhöndorf (Bad Honnef bei Bonn):
 
Nachdem der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, nach seiner Enthebung vom Amt als Kölner Oberbürgermeister durch die Nationalsozialisten mehrfach seinen Aufenthaltsort gewechselt hatte, zog er schließlich im Jahr 1935 zusammen mit seiner Familie nach Rhöndorf.
 
In die deutsche Geschichte eingegangen ist die sogenannte Rhöndorfer Konferenz am 21. August 1949, zu der Konrad Adenauer eingeladen hatte, um die Regierungsbildung nach der ersten Bundestagswahl zu besprechen.
Außerdem empfing der Bundeskanzler hier zweimal seinen französischen Amtskollegen Charles de Gaulle. Zusammen legten sie die Grundlagen für die deutsch-französische Aussöhnung.
 
Konrad Adenauer verstarb am 19. April 1967 in seinem Wohnhaus in Rhöndorf. Die nach der Beerdigung eintreffenden Besucherströme und ein anhaltendes Interesse am Leben Adenauers ließen den Wunsch aufkommen, sein langjähriges und letztes Wohnhaus als Gedenkstätte zu erhalten: www.adenauerhaus.de
 
Sein Grab befindet sich auf dem Rhöndorfer Waldfriedhof.
 

Waterloo:
 
Nahe der belgischen Kleinstadt Waterloo, etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel, fand im Jahr 1815 die letzte Schlacht des 1769 auf Korsika geborenen Napoleon Bonapartes statt. Er unterlag hier der Koalition der britischen Truppen unter General Wellington und den preußischen Truppen unter Feldmarschall Blücher.
In keiner anderen Schlacht der Geschichte starben an einem einzigen Tag mehr Menschen als in der Schlacht bei Waterloo.
 
Napoleon wurde nach seiner Niederlage ins Exil auf der Atlantikinsel St. Helena verbannt und starb hier am 5. Mai 1821.
Im Jahr 1840 wurde der Leichnam nach Paris überführt und liegt seitdem im Pariser Invalidendom.
 
Napoleon hatte durch seine Politik und Feldzüge die europäische Geschichte nachhaltig umgestaltet. Als Stichworte seien hier nur das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1806) sowie die Einführung des Code Civil (1804), der auch in vielen Teilen Deutschlands erst 1900 durch das Bürgerliche Gesetzbuch ersetzt wurde, genannt.
 
Hier finden Sie Informationen, wenn sie das Schlachtfeld von Waterloo besuchen möchten. www.waterloo1815.be/en/waterloo
 
Verdun:
 
Nahe der Kleinstadt von Verdun fand im Ersten Weltkrieg, von Februar bis Dezember 1916, die Schlacht von Vedun, eine der bedeutendsten und verlustreichsten Schlachten des Krieges, statt.
 
Ein Besuch der dortigen Museen, Soldatenfriedhöfe, des Schlachtfeldes und vor allen Dingen des sogenannten „Gebeinhauses“ von Douaumont lässt einen ob der unfassbaren Grausamkeiten erschaudern und verstummen.
 
Ein Besuch der Gedenkstätte von Verdun sollte eigentlich in keiner Schullaufbahn europäischer Jugendlicher fehlen!
 

Bazoches-sur-Guyonne:
 
In Bazoches-sur-Guyonne, einem kleinen Dorf in der Nähe von Paris, befindet sich das Haus von Jean Monnet. Es ist mittlerweile zu einem Besucher- und Konferenzzentrum umgebaut worden.
 
Jean Monnet gilt als einer der maßgeblichen Wegbereiter der Europäischen Einigungsbestrebungen und als geistiger Vater des sogenannten „Schumann Plans“. Er war außerdem der erste Präsident der „Hohen Behörde“ der Montanunion, der Vorläuferin der heutigen Europäischen Kommission.
 
Weitere Informationen finden Sie hier:
 
  
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