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Grenzenloses Online-Shopping

von R.Wieland (Kommentare: 0)

Online-Shopping: Der EU-Binnenmarkt wird digital

© Europäisches Parlament 2017

Das Internet macht an nationalen Grenzen keinen Halt. Oder doch? Stellen Sie sich vor: Sie möchten in Straßburg in einem Supermarkt Rotwein kaufen. Am Eingang müssen Sie Ihren Ausweis zeigen und man weißt Sie darauf hin, dass Sie nur aus der Hälfte des Sortiments auswählen dürfen da Sie aus einem anderen Land kommen. Diese Geschichte scheint uns in europäischen Geschäften unvorstellbar, doch sie war im Onlinehandel bisher oft Realität: Der Zugriff auf Onlineshops in anderen EU-Ländern ist oftmals nicht möglich oder es wird ein anderes Sortiment mit anderen Preisen geboten. Da der digitale Binnenmarkt in Europa also dem analogen hinterherhinkt, steht dieses Thema weit oben auf der Agenda der EU. Nun befasste sich das Europäischen Parlaments mit Maßnahmen gegen Geo-Blocking und andere Arten von Diskriminierung im Netz.

Insbesondere sollen die beschlossenen Maßnahmen Diskriminierung aufgrund von Staatsangehörigkeit, Wohnsitz oder Aufenthaltsort der Kunden verhindern. Anbietern ist es dadurch nicht mehr möglich, Kunden aus verschiedenen EU-Ländern unterschiedlich zu behandeln. So soll Verbrauchern der Zugang zu den besten Händlern und Preisen in ganz Europa ermöglicht werden. Waren und Dienstleistungen können dann ungehindert grenzüberschreitend gehandelt und genutzt werden, wodurch ein fairer Wettbewerb im Online-Handel entsteht. E-Services, wie zum Beispiel E-Books, Musik, Filme und Online-Spiele, bleiben allerdings vorerst von dieser Verordnung ausgeschlossen, da sie dem Urheberrecht unterliegen und da dadurch auch die kulturelle und künstlerische Vielfalt Europas geschützt werden soll. Warum hier Einschränkungen sinnvoll sind, zeigt erneut ein Beispiel: Kennen Sie „Hurling“? In Irland ist dies ein äußerst populärer Sport. Er füllt ganze Stadien und wird auch im Fernsehen übertragen. In Deutschland kennen den Sport allerdings wenige. Da Hurling hierzulande ein Nischensport ist, könnten TV-Abonnements zu günstigeren Preisen als in Irland verfügbar sein. Gleiches mag für den Dartsport in Lettland oder die Bundesliga in Zypern gelten. Auf solche Angebote hätten Verbraucher während eines Auslandsurlaubs bei einer Aufhebung des Geo-Blockings uneingeschränkt Zugriff und könnten entsprechende Abos zurück im Heimatland uneingeschränkt nutzen. Für bestehende Geschäftsmodelle und die Einkünfte ganzer Sportarten kann eine plötzliche Veränderung damit allerdings problematisch sein. Es ist daher wichtig, dass die Einschränkungen im Bereich der elektronischen Medien vorerst bestehen bleiben oder nur mit Übergangsfristen abgebaut werden, um derartige länderspezifische Angebote zu erhalten.

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